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Alte Gewohnheiten soll man nicht brechen !

Alter Weg

Und ich sage:
Doch sollte man!

Zumindest dann, wenn es darum geht zukünftig stabile und gut änderbare Creo Parametric (ehemals Pro/ENGINEER) Modelle aufzubauen.“

Warum ist das in diesem Fall so wichtig, entgegen des o.g. alten Sprichwortes?

1.) Jederzeit Änderungen einbringen können. Das bedeutet, selbst man schon beim Modellaufbau feststellt, dass dies im Zusammenhang mit anderen Bauteilen angepasst werden muss. Zudem kommen Kollegen aus der Konstruktion oder Fertigung mit Änderungswünschen. Der Einkauf findet einen neuen, günstigeren Lieferanten für Zukaufteile und schon muss das Modell erneut anpasst werden. Bei mir stand z.B. schon ein Mitarbeiter aus dem Versand am Schreibtisch, der meinte, wenn ich mein Modell etwas verkleinere, bringt er mehr Modelle zum Versand in eine Gitterbox. Und nicht zuletzt unser Kunde, der immer mit neuen Ideen individuell auf unsere Arbeit Einfluss nimmt.

2.) Neue Modellvarianten in der Zukunft. Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln einen erfolgreichen Motor in der Motorrad GP mit 125 cm3. Nun wollen Sie nach einem Jahr die 250er Klasse erobern und anschließend noch die 500er 1000er Klasse. Sie skalieren dazu einige Modelle und müssen Andere individuell anpassen.

3.) Umstellung des bisherigen Fertigungsverfahren. Nach erfolgreichem Start Ihres neuen Produktes können Sie dies nun statt in Kleinserien, in großen Mengen verkaufen. Dazu lassen Sie aus Kostengründen ein mechanisch gefertigtes Fräs- und Drehteil zukünftig als Kunststoffspritzgussteil fertigen. Dazu muss das bisherige Modell entscheiden umgebaut werden

Mein Leitspruch ist: „Nichts ist so beständig wie die Änderung.“ Deshalb müssen Modelle, egal ob Einzelteil oder Baugruppe immer so aufgebaut werden, dass sie sich gut ändern lassen und dabei stabil bleiben. Dazu ist es wichtig, stabile Referenzen zu wählen und die eigentliche Konstruktionsabsicht eindeutig im Modell wiederzuspiegeln.

In meinen Schulungen höre ich immer folgende Argumente von erfahrenen Konstrukteuren, warum sie dies in ihren Modellen so nicht umgesetzt haben.

? Ich hatte keine Zeit
? Das haben wir schon immer so gemacht
? Das Modell war schon so, ich habe dann nur noch etwas hinzugefügt, bzw. das war ich nich

Wir sind alle für unsere Modelle verantwortlich und die heutigen PDM-Systeme protokollieren alles. Fakt ist, je schlechter ein Modell aufgebaut wird, desto mehr Zeit benötigt man beim Ändern. Dies bedeutet: Je mehr Zeit ich am Anfang in die Planung meines Modells investiere, desto weniger Zeit brauche ich später, für Änderungen oder neue Varianten! Ihr Gesamtprojekt überdenken Sie doch auch, ehe Sie starten und arbeiten nicht direkt drauf los, entgegen der häufigen Vorgehensweise im CAD-Modell.

Kennen Sie das Spiel Jenga? Hier legt man die ersten drei Bauklötzchen quer nebeneinander. Dann legt man die nächsten drei Klötze längs darauf. Anschließend kommt die nächste Lage wieder quer und so weiter. So stapelt man einen Turm. Mal angenommen dieser Turm hätte 500 oder mehr Klötzchen. Nun kommt die Aufgabe z.B. ein Klötzchen durch ein Andersfarbiges zu ersetzen. Dann soll an einer Stelle im unteren Bereich ein Klotz entfernt werden und dann an einer anderen Stelle ebenfalls. Und nun kommen vielleicht noch 300 Bauklötzchen oben drauf.

Ist der Turm von Anfang an unstrukturiert und unordentlich aufgebaut worden, dann ging das zwar schnell, aber er wackelt und bricht wesentlich ehr zusammen. Ist er gleich stabil und zukunftsorientiert aufgebaut, wird man zwar anfangs länger brauchen, aber auch einen viel stabileres Modell erhalten.

Also vergewissern Sie sich ab sofort dazu nachfolgende Punkte zu beachten:

? Planen Sie den Modellaufbau vor dem ersten KE
? Referenzieren Sie entsprechend Ihrer Konstruktionsabsicht.
? Bauen Sie Ihr Modell vom Wesentlichen hin zu den Details auf (80/20 Regel)
? Nutzen Sie beim Referenzieren möglichst KEs oder Modelle, die am Anfang der Modellhistorie stehen
? Beziehen Sie die o.g. Punkte 1-3 in Ihre Modellstrategie mit ein

Und zum Schluss noch ein weiteres Sprichwort, das in diesem Fall den Nagel auf den Kopf trift:

„Gewohnheit entschuldigt nicht, sondern erschwert!“

Herzlichst Ihr

Andreas Rind

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